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ZUCHT

Die Nachzucht von Calomyscus ist relativ unkompliziert, vorausgesetzt die Tiere paaren sich überhaupt. Das Paarungsverhalten der Tiere kann man auf den ersten Blick mit Streitereien verwechseln. Dabei verfolgt das Männchen unter ständigem „Piepsen“ das Weibchen, bis dieses eine Paarung zulässt. Dieser Vorgang kann sich über längere Zeit wiederholen. Auffällig ist, dass jüngere Männchen wesentlich intensiver balzen als ältere, erfahrenere Männchen.
Grundsätzlich sind die Tiere etwa im Alter von vier Monaten geschlechtsreif. Es kann jedoch vorkommen, dass sich der erste Wurf erst mit neun Monaten oder sogar noch viel später einstellt. Mir ist jedoch unbekannt, welche Faktoren hier eine Rolle spielen. Bemerkenswert ist, dass viele Tiere nach einem Wechsel der Umgebungsbedingungen, z. B. durch Umzug in ein anderes Behältnis, auf einmal nachziehen.

Haben die Tiere einmal geworfen, sind Ausfälle nach der Geburt ausgesprochen selten. Die Aufzucht klappt auch bei unerfahrenen Weibchen meist problemlos. Grundsätzlich können während des ganzen Jahres Würfe fallen, hauptsächlich werfen die Tiere jedoch im Zeitraum von Januar bis etwa Mitte Mai. Die Wurfgrößen können zwischen einem und sechs Junge betragen, meist beträgt die Wurfgröße jedoch zwei bis vier Jungtiere.

Die Jungen werden nach einer Tragzeit von 29-32 Tagen mit einem durchschnittlichen Gewicht von 1,5-2,5 g geboren. Der Bauchbereich ist rosafarben, die Oberseite gräulich schwarz. Die Schwanzlänge beträgt etwa ein Drittel der Körperlänge. Die Entwicklung der Tiere geht ausgesprochen langsam vonstatten, und endet mit der Umfärbung des grauen Jugendfelles in das bräunliche Erwachsenenfell. Dabei zeigt sich erst am Kopf das braune Erwachsenenfell. Die Umfärbung vollzieht sich dann vom Kopf über den Rücken zum Hinterteil. Dabei ist das Erwachsenenfell durch einen schwarz scheinenden Rand, welcher quer über den Rücken verläuft, vom Jugendfell getrennt. Die Umfärbung ist etwa im fünften Monat abgeschlossen. Etwa mit Ende der vierten Lebenswoche werden die Jungen nicht mehr von der Mutter gesäugt, dieser Zeitpunkt kann je nach Wurfgröße leicht variieren. Die Jungtiere sollten frühestens nach vier Wochen abgesetzt werden.

Die Geschlechtsbestimmung erfordert etwas Übung, da gerade bei Jungtieren das Vergleichen des Abstandes zwischen After und Geschlechtsöffnung recht schwierig ist. Hält man die Tiere unter helles Licht, so ist die weibliche Geschlechtsöffnung als leicht violetter Querstrich unterhalb des Zapfens erkennbar, beim Männchen treten durch leichten Druck auf den Unterbauch die Hoden leicht hervor und zeichnen sich als parallel zur Körperachse verlaufende ovale Erhebungen unter der Haut ab.

Bei Nachzuchttieren in Gefangenschaft gelegentlich auftretende Deformationen wie leere Augenhöhlen und Knickschwänze, oder Verhaltensstörungen in Form von Stereotypien wie Salto schlagen usw., haben möglicherweise genetische Ursachen, dementsprechend sollten Tiere mit solchen Störungen auf jeden Fall von der Zucht ausgeschlossen werden.

Wichtig: Eine Vergesellschaftung mehrerer fremder, adulter Tiere endet meist mit dem Tod einiger Tiere. Die Neuzusammenstellung eines Pärchens gelingt jedoch in den meisten Fällen ohne größere Probleme. Bis zur Geschlechtsreife ist eine Zusammenführung mehrerer Tiere in den meisten Fällen ebenfalls problemlos möglich.

„Wahre Liebe“ unter den Tieren scheint es nicht zu geben. Eher scheinen sie Zweckgemeinschaften einzugehen, bspw. um die Nestwärme auszunutzen. Die Reaktion der Tiere testet man am besten in einer Transportbox. Wird nach meist kurzem, anfänglichem Abwehrverhalten, wobei sich die Tiere aufgerichtet mit leicht geschlossenen Augen gegenüberstehen und anpiepsen, das Gegenüber geduldet, so können die Tiere in ihr gereinigtes und neu eingerichtetes Terrarium gesetzt werden. Hier muss das weitere Verhalten über längere Zeit beobachtet werden, da Aggressionen auch noch nach einiger Zeit zu Tage treten können.

Text von Christoph Schmitz
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