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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name:
Eutamias sibiricus
Deutscher Name:
Sibirisches Streifenhörnchen, Burunduk
Englischer Name:

Siberian chipmunk

Ordnung:
Rodentia
Unterordnung:   Sciuromorpha
Familie:
Sciuridae
Unterfamilie:   Xerinae
Tribus:
Marmotini
Vorkommen:
Nordfinnland bis Nordjapan
Größe:
13-17 cm + 8-11 cm Schwanz
Gewicht:
bis 125 g
Geschlechtsreife:
mit ca. 11 Monaten
Tragzeit:
ca. 4-5 Wochen
Durchschnittliche Wurfgröße:
4 Junge
Sozialverhalten:
Einzelgänger, verbringt den Winterschlaf aber oft paarweise
Aktivitätsphasen:
Tagaktiv
Besonderheiten:
-
Anspruch:
Hoher Platzbedarf

ALLGEMEINES

Spätestens seit Disneys A-Hörnchen und B-Hörnchen (auch als Chip und Chap bekannt) gehören Streifenhörnchen zu den beliebtesten Nagern. Im Zoofachhandel werden sie regelmäßig angeboten, da sie durch ihr ansprechendes Aussehen, ihr lebhaftes Wesen und ihre Vertrautheit dem Menschen gegenüber als Haustiere gut geeignet sind. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass Streifenhörnchen keineswegs domestiziert sind und als echte „Wildtiere“ ihre ganz eigenen Anforderungen an die Haltung in Menschenobhut stellen.

Bei den im Zoofachhandel angebotenen Streifenhörnchen handelt es sich um ganz unterschiedliche Arten, die sich nicht nur durch ihre Herkunft und ihr Aussehen, sondern insbesondere durch ihr Verhalten voneinander unterscheiden. Zu den wohl am häufigsten angebotenen Arten zählt das Sibirische Streifenhörnchen oder auch Burunduk (Eutamias sibiricus), welches auf dem Rücken 5 schwarzbraune Streifen hat, denen vier helle Streifen anliegen. Die Unterseite ist je nach Herkunft weiß, beige oder rötlich. Auch das Streifenbackenhörnchen oder Chipmunk (Tamias striatus) wird regelmäßig gehalten. Bei ihm liegen den 5 dunklen Streifen nur 2 helle Streifen seitlich an. Außerdem geht der unter dem Auge verlaufende Streifen nur bis zum Auge. Weiterhin werden Palmenhörnchen (Funambulus spp.) und Schönhörnchen (Callosciurus spp.) oftmals fälschlicherweise ebenfalls unter der Bezeichnung Streifenhörnchen gehandelt. Die folgenden Seiten befassen sich ausschließlich mit der Haltung des Sibirischen Streifenhörnchens, da dieses die wohl häufigste Art in Menschenobhut darstellt.

Zusammen mit den nordamerikanischen Chipmunks zählt das Sibirische Streifenhörnchen aufgrund seiner enormen Backentaschen zu den Backenhörnchen. Im Gegensatz zu seinen nahen Verwandten, den Präriehunden und Zieseln, die hauptsächlich in offenen Steppengebieten leben, bevorzugt es Waldgebiete. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, wird das Fell gewechselt. Die Paarungszeit dauert von April bis Juni. Nach einer Tragzeit von ca. 4 Wochen bringt das Weibchen bis zu 10 Junge zur Welt, die von ihm alleine versorgt werden. Bereits 4-8 Wochen nach der Geburt der Jungen löst sich die Familie wieder auf.

Streifenhörnchen können an Baumstämme auf und ab laufen. Beim Fressen sitzen sie gerne auf den Hinterbeinen und halten die Nahrung in den Vorderpfoten fest. Besonders in den frühen Morgenstunden sind diese quirligen und flinken Nager aktiv. Als tagaktive Tiere verfügen sie über gut entwickelte Augen. Im Gegensatz zu vielen anderen Nagern sind Sibirische Streifenhörnchen sogar zum Farbsehen befähigt.

Ihre natürliche Nahrung besteht aus Nüssen, Samen, Beeren, Obst und Insekten. Gelegentlich erbeuten sie aber auch einen Frosch oder plündern Vogelnester. In der Natur halten sie einen Winterschlaf, der in Sibirien von Oktober bis April dauert. Aus diesem Grund legen sie Erdhöhlen an, die bis zu 1,50 m tief und 2,50 m lang sein können. Diese sind unterteilt in Vorratskammern, Schlafhöhlen und Blindgänge, die als Toilette benutzt werden. Die Vorratskammern werden mit Nüssen, Eicheln, Samen und trockenen Pilzen gefüllt. Dabei kann ein einzelnes Streifenhörnchen bis zu 6 kg an Vorräten sammeln.

Einzel- oder Paarhaltung


Sibirische Streifenhörnchen sind Einzelgänger, eine paarweise Haltung ist aber bei reichhaltigem Platzangebot auch möglich. Sibirische Streifenhörnchen leben in freier Wildbahn in lockeren Kolonien, in denen jedes Individuum sein eigenes Territorium hat und dies auch gegenüber den anderen Tieren verteidigt. Es ist deshalb möglich, sie einzeln zu halten, ohne dass dies Tierquälerei wäre oder dass die Tiere verkümmern. Möchte man zwei Tiere zusammen halten, sollte der Käfig die Maße für ein Einzeltier deutlich überschreiten. Wichtig ist vor allem, jedem Tier genügend Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, um Stress zu vermeiden. Es hat sich bewährt, den Käfig so zu gestalten, dass man ihn notfalls in zwei Hälften unterteilen kann. Dies kann erforderlich werden, wenn man ein Muttertier mit Jungen abtrennen will oder es kurzzeitig zwischen den Tieren zu Streitigkeiten kommt. Möchte man keinen Nachwuchs, so empfiehlt sich die Haltung zweier gleichgeschlechtlicher Tiere. Zwei Männchen vertragen sich dabei ebenso gut oder schlecht wie zwei Weibchen. Wichtig ist, bei auftretenden Streitigkeiten sofort einzugreifen, da es ansonsten zu ernsthaften Verletzungen bis hier zu Todesfällen kommen kann.

Verhalten

Sibirische Streifenhörnchen leben zwar in Kolonien, jedes Tier hat jedoch sein eigenes, eng umgrenztes Revier, welches es gegen Eindringlinge heftig verteidigt. Zum Markieren der Reviergrenzen werden Kinn und Bauch an exponierten Stellen gerieben, um Duftmarken zu setzen. Zusätzlich werden diese Stellen oftmals mit Urintröpfchen markiert. Da Sibirische Streifenhörnchen diese Revierbildung auch in Menschenobhut beibehalten, ist bei der Haltung mehrerer Hörnchen Vorsicht geboten.

Wie auch in freier Wildbahn, halten einige Sibirische Streifenhörnchen in Menschenobhut Winterruhe. Diese kann je nach Tier sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei einigen Tieren dauert sie von November bis März, bei anderen ist sie wesentlich kürzer. Während einige Tiere während der Winterruhe nur etwas ruhiger werden, lassen sich andere tagelang nicht außerhalb ihres Schlafhäuschen sehen. Wichtig ist, sie dann in ihrer Ruhe nicht zu stören. Das plötzliche Aufwachen bedeutet für die Tiere Stress, der den Organismus extrem belastet und so die Lebenszeit verkürzt. Werden Sibirische Streifenhörnchen in einer Freivoliere gehalten, schlafen sie tief und fest und lassen sich nur an wärmeren Tagen kurz blicken.

Der Winterruhe voraus geht eine Zeit, in der die Hörnchen anfangen Futterdepots anzulegen. Alles was sie an Nahrung erwischen wird verbuddelt, bevorzugt in den Blumentöpfen des Halters. In dieser Zeit werden viele Hörnchen auch sehr aggressiv und beißen bei Annäherung. Dieses Verhalten ist völlig normal und kein Hinweis auf eine Verhaltensstörung. Dem begegnet man am besten, indem man die Hörnchen in Ruhe lässt und Annäherungen vermeidet. Hier zeigt sich eben, dass Sibirische Streifenhörnchen echte Wildtiere und noch kaum domestiziert sind.

Text von Ralf Sistermann
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