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Nagersystematik
Erläuterungen zur Systematik der Nagetiere
Grundlagen
Der hier vorgestellte Stammbaum der Nagetiere basiert auf der Systematik, wie sie von Wilson & Reeder (1993) vorgestellt und von Nowak (1999) größtenteils übernommen wurde. Nach diesen beiden Quellen ergeben sich einige Unterschiede gegenüber veralteten Stammbäumen, wie sie noch in fast allen nicht-wissenschaftlichen Büchern und Internetseiten zu Kleinsäugern zu finden sind. Unter den vielen deutschen Büchern, die sich an Halter von Nagern und anderen Kleinsäugern wenden, verwendet bisher lediglich „Kleinsäuger im Terrarium“ (Ehrlich, 2003) eine zeitgemäße Systematik basierend auf diesen Quellen. Natürlich ist jede Gliederung des Tierreichs nur vorläufig, bis neue Erkenntnisse für andere Verwandtschaftsverhältnisse sprechen. In den letzten Jahren kommt es u. a. deshalb zu vielen grundlegenden Änderungen, weil außer den klassischen morphologischen Merkmalen (Schädelstruktur, Zahnformel, Körperproportionen usw.) neuerdings vermehrt molekularbiologische Methoden Verwendung finden. D. h. bisher aufgrund ihrer Morphologie als nahe verwandt betrachtete Gruppen können sich genetisch so stark unterscheiden, dass man annehmen muss, dass Übereinstimmungen im Körperbau eher auf eine zufällig ähnliche Entwicklung (Konvergenz) als auf eine Abstammung von einem gemeinsamen Vorfahren zurückzuführen sind. Inzwischen stellen etliche Autoren bereits wieder andere mögliche Stammbäume auf, wofür sicher auch jeweils stichhaltige Gründe geliefert werden. Wir haben uns entschlossen, bei der Gliederung nach Wilson & Reeder zu bleiben, weil sie den aktuellst möglichen Stand der Nagetiersystematik darstellt, wie er auch für Nicht-Wissenschaftlern verfügbar und weltweit verbreitet ist. Dass in zoologischen Fachzeitschriften ständig Änderungen hierzu vorgestellt werden, soll für den Hobbytierhalter solange keine Rolle spielen, bis diese Änderungen in Neuauflagen der oben genannten Werke übernommen wurden, da nur solche der Allgemein leicht zugänglich sind. Auch wenn Begriffe wie „Familie“, „Unterfamilie“ usw. von Systematikern nicht mehr gerne verwendet werden, so werden diese hier doch beibehalten, weil sie den meisten einfach verständlicher sind als die wissenschaftlichen Bezeichnungen.
Abweichungen gegenüber älteren Darstellungen Da wirklich fast sämtliche bekannten und viel genutzten Internetseiten und Bücher zur Thematik Hamster, Rennmäuse, Mäuse usw. eine längst überholte Systematik verwenden, wie sie noch bei Grzimek (1988) zu finden ist, hier ein paar für den hobbymäßig an Kleinsäugern Interessierten wichtige oder vielleicht interessante Änderungen bzw. neuen Erkenntnisse:
- Rennmäuse (Gerbillinae), Hamster (Cricetinae), Wühlmäuse (Arvicolinae), Neuweltmäuse (Sigmodontinae) und andere wurden früher als Wühler (Cricetidae) zusammengefasst. Sie sind jedoch auch nicht näher miteinander verwandt als mit den Echten Mäusen (Murinae) und bilden deshalb gleichberechtigte Unterfamilien innerhalb der Mäuseverwandten (Muridae).
- Maushamster oder Mausartige Zwerghamster (Calomyscinae) gehören nicht zu den Hamstern, sondern stellen eine gleichberechtigte Gruppe neben diesen dar.
- Stachelmäuse (Acomys) sind zwar noch bei den Echten Mäusen (Murinae) eingeordnet, weichen aber soweit von den anderen Vertretern der Unterfamilie ab, dass sie möglicherweise eine ganz eigene, ursprünglichere Gruppe darstellen.
- Bilche oder Schläfer (Myoxidae) sind ebenso wie Springmäuse (Dipodidae) nicht näher mit den Muridae als mit anderen Familien verwandt. Die Unterordnung Myomorpha, in der diese Gruppen zusammen mit den Taschennagern eingeordnet waren, ist hinfällig.
- Chinchillas, Degus und Meerschweinchen gehören jeweils zu ganz eigenen Familien, sind miteinander also auch nicht näher verwandt als mit anderen Hystricognathi wie Stachelschweinen oder Nacktmullen.
- Wasserschweine sind keine „Großen Meerschweinchen“, sonder gehören auch zu einer eigenen, nicht näher mit den Meerschweinchen verwandten Familie.
- Biber gehören nicht zu den Hörnchen, sondern sind eine eigene Familie (Castoridae).
Bedeutung für den Kleinsäugerhalter
Prinzipiell könnte es dem Kleinsäugerhalter natürlich egal sein, wo seine Tiere systematisch stehen, solange er keine wissenschaftlichen Ambitionen hat. Ein wenig Überblick über die Verwandtschaftsverhältnisse kann jedoch ganz hilfreich sein, um die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Tiere in Gefangenschaft zu verstehen. Bei Nagetieren wird leider oft übersehen, welch umfangreiche und vielgestaltige Gruppe sie mit über 1700 Arten darstellen. Um das Problem zu verdeutlichen ein Beispiel aus einer völlig anderen Tiergruppe, die bei uns verbreitet gehalten wird: bei den Fischen wundert sich kaum jemand, dass es selbst innerhalb einer einzigen Familie wie den als Aquarienfischen beliebten Buntbarschen (Cichlidae) so grundlegend unterschiedliche Erscheinungen gibt wie Monogamie und Polygamie, im Schwarm lebende Arten oder strikte Einzelgänger, reine Fleisch- oder Pflanzenfresser usw.; obwohl mit rund 900 Arten schon eine sehr umfangreiche Gruppe, sind die Buntbarsche den systematisch gleichrangigen Mäuseverwandten (Muridae) mit etwa 1500 Arten weit unterlegen – dennoch erwarten viele Halter bei den Muridae weitgehend übereinstimmende Verhaltensweisen und Bedürfnisse und sind irritiert, wenn manche Arten diesbezüglich völlig von anderen abweichen oder erprobte Haltungsbedingungen bei neuen Arten nicht funktionieren. Und dabei wird auch übersehen, dass die bei uns als Haustiere gehaltenen Nager noch nicht einmal alle zur selben Familie gehören. Bei uns werden zurzeit Nagetiere aus mindestens 8 verschiedenen Familien weit verbreitet von Privatleuten gepflegt, bei Kleinsäugerspezialisten und in Zoos kommen noch einige Familien mehr dazu. Man sollte auf jeden Fall versuchen, ein wenig den Überblick über die Verwandtschaftsverhältnisse seiner Haustiere zu behalten, schon um darauf gefasst zu sein, dass systematisch sehr weit voneinander entfernte Arten unter Umständen auch sehr verschiedene Lebensweisen und Ansprüche haben können.
Wenn man etwa weiß, dass Maushamster keine Vertreter der Hamster sind, so wundert es schon viel weniger, dass sie sich problemlos in Gruppen halten lassen und auch sonst im Verhalten von vielen Vertretern der eigentlichen Hamster abweichen. Ebenso sollte man sich klar machen, dass inzwischen häufig gehaltene Arten wie der Afrikanische Zwergschläfer (Graphiurus spec.) zu einer ganz anderen Gruppe gehören als die als Haustier verbreiteten Rennmäuse, Hamster oder Echten Mäuse und deshalb durchaus völlig von diesen abweichende Nahrungsansprüche haben können.
Literatur
Die hier verwendete Systematik entstammt
WILSON, D. E., und D. M. REEDER (Hrsg.). 1993. Mammal Species of the World. Smithsonian Institution Press, Washington.
Diese ist auch online auf der Homepage des Smithsonian National Museum of Natural History unter http://nmnhgoph.si.edu/msw/ abzurufen.
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Der Systematik von Wilson & Reeder folgt weitestgehend auch
NOWAK, R. M. (Hrsg.). 1999. Walker's Mammals of the World, Volume 2, 6th Edition. The John Hopkins University Press, Baltimore.
Hieraus entstammen auch die meisten Daten zur Biologie der vorgestellten Arten, die jeweils unter „Allgemeine Informationen“ zu finden sind. Dieses Werk kann jedem Kleinsäugerhalter nur empfohlen werden, da es neben vielen wichtigen Informationen auch eine Fülle an Abbildungen zu sämtlichen Säugetiergruppen enthält, darunter gerade bei Nagern viele Fotografien von ansonsten völlig unbekannten Formen.
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Schöne und lesenswerte Beschreibungen vieler verschiedener Nagerarten finden sich auch bei
GRZIMEK, B. (1988): Grzimeks Enzyklopädie Säugetiere, Bd. III. Kindler Verlag, München.
Dieses eignet sich aber wirklich nur als Nachschlagewerk für Informationen zu einzelnen Arten. Die Systematik ist auf einem längst überholten Stand und ist auch für eine grobe Orientierung über die Verwandtschaftsverhältnisse nicht mehr zu gebrauchen.
Anmerkungen zum verwirrenden oder falschen Gebrauch deutscher Tiernamen:
Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus):
Sie wird oft als „Wüstenrennmaus“, „Mongolische Wüstenrennmaus“, „Gerbil“, „Rennmaus“ oder sogar „Springmaus“ bezeichnet. Dabei sind die ersten beiden Namen deswegen wenig sinnvoll, weil es sich nicht um ausgesprochene Wüsten-, sondern eher Steppenbewohner handelt. „Wüstenrennmäuse“ sind eher die nordafrikanischen Vertreter der Gattung Gerbillus. Völlig unbrauchbar ist die Bezeichnung „Gerbil“. Im Prinzip trifft diese auf jede der weit über 100 Arten der Gerbillinae zu, wenn schon müsste unbedingt „Mongolischer Gerbil“ verwendet werden, was aber kaum gebräuchlich ist. Prinzipiell macht dies aber auch wenig Sinn und führt zu Verwirrungen, weil international klar ist, dass im Englischen die Vertreter der Meriones als „Jirds“ bezeichnet werden, „Gerbil“ hingegen ist v. a. Gerbillus vorbehalten.
Da zum einen über das Internet auch immer mehr englischsprachige Informationen bei uns beachtet werden und zum anderen bei uns die Anzahl der als Haustier gehaltenen Rennmausarten aus verschiedenen Gattungen ständig zunimmt, sollte doch auf eine einheitliche und korrekte Benennung geachtet werden, um Missverständnisse zwischen Haltern verschiedener Arten auszuschließen. Zur Zeit dürften bei uns annähernd 30 verschiedene Rennmausarten mit teils noch einigen Unterarten aus mindestens 8 Gattungen in Privathand leben, da ist es mittlerweile auf jeden Fall notwendig, auf richtige Bezeichnungen zu achten, auch beim Austausch von Informationen über Internetforen usw. Es sei angemerkt, dass es schon lange für die Gattung Meriones die deutschen Namen „Rennratten“ und „Sandmäuse“ gibt. Sie finden sich z. B. bei Schmidt (1985) und bei Schulze Sievert (2002). Diese Namen haben sich aber nicht durchgesetzt, im Fall der „Rennratten“ wahrscheinlich wieder einmal, weil der Zoohandel aus verkaufstaktischen Gründen den Begriff „Ratte“ vermied und sich entsprechend kreative Namensschöpfungen dann auch bei den Haltern durchgesetzt haben.
Schulze Sievert, U. E. (2002): Ein Beitrag zur tiergerechten Haltung der Mongolischen Wüstenrennmaus anhand der Literatur. Dissertation, Hannover.
Schmidt, G. (1985): Hamster, Meerschweinchen, Mäuse. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.
Streifengrasmäuse (Lemniscomys):
Hier handelt es sich nicht um eine Art, sondern um eine Gattung mit 10 Arten. Bei uns werden zurzeit die Tüpfelstreifengrasmaus L. striatus sowie mehrere Formen der Vielstreifengrasmaus L. barbarus als Haustiere gehalten. L. striatus wird üblicherweise nur als „Tüpfelgrasmaus“ bezeichnet, hier besteht aber auch keine Verwechslungsgefahr. L. barbarus hingegen wird ähnlich wie die Mongolische Rennmaus oft nur mit dem Gattungsnamen Streifengrasmaus angesprochen, diese Benennung trifft aber auch auf L. striatus und andere Arten zu, von denen sicherlich immer wieder einmal Tiere durch Importe zu uns gelangen. Deshalb sollte immer der Name „Vielstreifengrasmaus“ verwendet werden.
Goldhamster/Teddyhamster:
Unabhängig von Farbe oder Fell handelt es sich um eine Art, d. h. es gibt keinen Unterschied zwischen einem Goldhamster und einem Teddyhamster. Ein Teddyhamster ist ein Goldhamster mit langem Fell, aber natürlich keine andere Art. Entsprechend sollten im Handel auch nicht „Goldhamster“, „Teddyhamster“ und andere nebeneinander angeboten werden, sondern erstere als „Goldhamster-Wildform“ o. ä. bezeichnet werden.
Lemminge:
Bei uns wird lediglich Lagurus lagurus, der Graue Steppenlemming, als Haustier gehalten. Die eigentlichen Lemminge der Gattung Lemmus, die man aus Fernsehberichten von Norwegen etc. kennt, gehören einer ganz anderen Gruppe an und haben mit Lagurus nicht mehr gemeinsam als mit einer Bisamratte. Alle Lemminge sind einfach Vertreter der Wühlmäuse und im Prinzip nichts anderes als unsere einheimischen Feldmäuse.
Knirps- und Zwergmäuse:
Die einheimische Art Micromys minutus wird meist korrekt als Eurasische Zwergmaus bezeichnet. Aufgrund ihrer etwas anspruchsvolleren Haltung und der Notwendigkeit der Anmeldung bei der zuständigen Behörde ist sie wesentlich weniger weit verbreitet als die afrikanische Art Mus minutoides. Diese wurde vor Jahren fast immer entsprechend als Afrikanische Zwergmaus gehandelt. Inzwischen wird diese Art aber vor allem auf Tierbörsen und im Zoohandel vermehrt entweder nur noch als „Zwergmaus“ oder besonders in letzter Zeit als „Knirpsmaus“ angeboten. Letzteres ist nicht weiter tragisch, da keine Verwechslungsgefahr mit Micromys besteht, allerdings spielte auch hier mit Sicherheit Verkaufstaktik bei der Entstehung und Verwendung des Namens eine Rolle. Lediglich „Zwergmaus“ sollte aber unbedingt vermieden werden. Zum einen wird eben auch die Eurasische Zwergmaus als Haustier gehalten, zum anderen gibt es einige weitere Arten, die (noch) keine Haustiere sind, jedoch ebenfalls korrekt „Zwergmaus“ genannt werden, u. a. die Amerikanischen Zwergmäuse (Baiomys). Da schon die ersten beiden Arten völlig unterschiedliche Lebensweisen und Bedürfnisse haben und die letztgenannten als Neuweltmäuse auch noch einer völlig anderen systematischen Gruppe angehört, sollte auch hier unbedingt immer der vollständige Name angegeben werden. Außerdem gibt es noch nicht einmal einfach „die“ Afrikanische Zwergmaus: im Gegensatz zu weit verbreiteten Informationen lebt Mus minutoides nicht in ganz Afrika, sondern in Südafrika, dafür gibt es in anderen afrikanischen Ländern eine ganze Anzahl vergleichbar winziger Zwergmausarten ebenfalls aus der Untergattung Nannomus!
Akazienmäuse und Akazienratten:
Die Bezeichnung Akazienratte für Thallomys ist einfach die Übersetzung des auch in der Wissenschaft gebräuchlichen englischen Namens. „Akazienmaus“ für Grammomys hingegen ist eine reine Erfindung des Importeurs, der sich vermutlich die große Beliebtheit der Akazienratten beim Verkauf zu Nutze machen wollte. Direkt aus dem Englischen übersetzt wäre die korrekte Bezeichnung Dickichtratte, sinngemäß dann vielleicht auch noch Busch- oder Strauchratte. Jedenfalls darf aus den ähnlichen deutschen Namen keinesfalls auf ähnliche Arten geschlossen werden! Die beiden Gattungen verhalten sich extrem unterschiedlich und müssen dementsprechend als Heimtiere auch völlig anders behandelt werden. Aus den Bezeichnungen „Maus“ und „Ratte“ kann in diesem Fall auch nicht auf die Größe geschlossen werden, da es auch Akazienratten gibt, die kleiner bleiben als unsere Akazienmäuse, außerdem gibt es einige Vertreter der Gattung Grammomys, die noch um einiges größer werden als die bei uns gepflegte Art.
Baumwollratten:
Als Vertreter der Neuweltmäuse haben sie überhaupt nichts mit den Ratten im eigentlichen Sinne gemeinsam. Da sie früher zu den Wühlern gezählt wurden, wäre sogar die Bezeichnung Baumwollhamster noch sinnvoller.
Zwerghamster:
Eine reichlich unbrauchbare Sammelbezeichnung für sehr verschiedene und v. a. verschieden groß werdende Gattungen. Oft wird Tscherskia als Rattenartiger Zwerghamster bezeichnet mit dem Hinweis, dass sie mit einer Körpergröße über der eines Goldhamsters erstaunlich riesige Vertreter der Zwerghamster seien. Warum dann nicht stattdessen gleich Rattenhamster verwendet wird ist nicht verständlich. Das heißt einfach, dass die im Deutschen allgemein verwendete Aufteilung in Zwerg-, Mittel- und Großhamster für die 7 Gattungen nicht ausreicht. Mittel- und Großhamster sind eindeutig zuzuordnen, die Zwerghamster umfassen aber 5 teils sehr verschiedene Gattungen.
Bei den Langschwänzigen Zwerghamstern gibt es oft Verwirrung bei der Benennung von Cricetulus griseus. Zum einen ist sein Artstatus fraglich, zum anderen existieren für ihn die Bezeichnungen (Chinesischer) Seidenhamster, (Chinesischer) Streifenhamster und (Chinesischer) Zwerghamster. Seidenhamster ist gegenüber den Wildformen der anderen als Haustiere verbreiteten Arten noch am eindeutigsten, könnte aber Schwierigkeiten mit Satin-Goldhamstern geben. Als Streifenhamster werden leider oft auch wildfarbene Campbell- und Dsungarische Zwerghamster angeboten, die ihrerseits auch oft nur als „Zwerghamster“ gehandelt werden – oder als Russische Hamster. Zumindest sollte bei jeder Benennung von Cricetulus griseus „Chinesisch“ dabei stehen, das ist einigermaßen eindeutig.
Calomyscus werden als Mausartige Zwerghamster oder Maushamster bezeichnet, gehören aber nicht zu den Hamstern.
Wüstenspringmäuse (Jaculus):
Sie werden häufig als Kängurumäuse angeboten, diese sind jedoch Angehörige der neuweltlichen Heteromyidae (Taschenmäuse), einer völlig anderen Familie als die altweltlichen Dipodidae (Springmäuse). Da es aber teils deutliche äußerliche Ähnlichkeiten und ähnliche Lebensweisen zwischen Kängururatten, die ebenfalls zu den Heteromyidae gehören, und den Wüstenspringmäusen gibt, ist diese Benennung noch nachzuvollziehen.
Leider werden sehr oft auch verschiedene Rennmausarten, v. a. die Mongolische Rennmaus, als Springmäuse oder Wüstenspringmäuse bezeichnet. Dies ist nun überhaupt nicht nachzuvollziehen, da sie nicht nur ebenfalls systematisch in einer ganz anderen Familie stehen, sondern noch dazu überhaupt nicht die ausgeprägten Sprungbeine von Jaculus besitzen.
Siebenschläfer/Afrikanischer Zwergschläfer:
Der Siebenschläfer (Myoxus glis) ist ein einheimischer Vertreter der Unterfamilie Myoxinae innerhalb der Myoxidae (Schläfer, Bilche). Der Afrikanische Zwergschläfer (Graphiurus spec.) hingegen gehört in die Unterfamilie der Afrikaschläfer, Graphiurinae, wird systematisch also schon einer weniger nah verwandten Gruppe zugeordnet. Während der Siebenschläfer teilweise je nach Verbreitungsgebiet tatsächlich eine annähernd sieben Monate dauernde Ruhezeit einhält, sind Afrikaschläfer mehr oder weniger das ganze Jahr aktiv, evtl. mit kurzen Unterbrechungen in extremen Trockenzeiten. Deshalb ist bei ihnen die Bezeichnung „Zwergsiebenschläfer“ völlig unsinnig, da sie weder eine kleine Ausgabe des Siebenschläfers sind noch die namensgebende Ruhezeit einhalten.
Am vernünftigsten wäre die Bezeichnung Afrikanischer Zwergbilch, die sich aber auch nicht durchsetzen konnte, wohl weil der Begriff „Schläfer“ Interessenten eher anspricht.
Text von Stefan Schumacher |