Anmerkungen zur Inzucht

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Beitragvon personenkult » Mi 15. Nov 2006, 14:38

Glaubt vielleicht jemand hier, daß die Massenproduzenten sich irgendwelche Gedanken machen, ob ihre Tiere ingezüchtet sind? Und wenn man sie darauf anspricht, interessiert es sie nicht. Somit sind sie einen Schritt weiter. Sie haben schon erzüchtet, daß so schnell kein Inzuchtschaden entsteht und sind somit auch nicht mehr für vernünftige Argumente offen.


Wird er sein müssen, wenn der "Käufer" aufeinmal verstanden hat, dass das Wort "Blutsfremd" anders zudeuten ist. Glaube darum geht es auch und das hat Jaculus auch irgendwo in den Weiten seines Textes erwähnt ;)
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Beitragvon IngridR » Mi 15. Nov 2006, 21:50

Hallo Ilona,

es tut mir leid, wenn ich deinen Text verkannt habe. Aber die Ironie in dem von mir zitierten Abschnitt hatte sich mir nicht erschlossen.

Lieben Gruß
Ingrid
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Beitragvon Hazel » Do 16. Nov 2006, 14:48

Ich würde sagen, die Tiere von Massenzüchtern sind genetisch gar nicht so ungesund und von daher habe ich selbst auch aus genetischer Sicht nichts dagegen solche Tiere z.B. bei Farbmäusen in die eigene Zucht einzukreuzen. Wenn bei Massenzüchtern Schäden durch Inzucht auftreten bzw. eigentlich ja die zufällige Inzucht Schäden sichtbar macht, dann werden diese Mäuse aussortiert, da mit ihnen keine profitable Zucht möglich ist. D.h. ich würde in dem Fall keineswegs gern die oft nicht optimale Haltung unterstützen indem ich Mäuse von dort kaufe, aber ich finde man sollte die Tiere nicht in genetischer Hinsicht schlechter schimpfen als sie sind, ich finde das Ergebnis dieser Zuchten im Prinzig gut - ob man damit leben kann solche Zuchten zu unterstützen weil man eben die Haltung etc. nicht gut findet, das ist eine Entscheidung aus anderen Gründen.
Meine persönliche Entscheidung würde eher zum Kauf von Mäusen aus selbst besuchter Massenzucht fallen, als zur Verwendung von Rassefarbmäusen, weil erstere mit großer Wahrscheinlichkeit über eine höhere genetische Diversität verfügen als letztere. Mir ist aber gerade daran gelegen den Genpool möglichst groß zu halten, auch bei Farbzucht in bezug auf die Ausgangstiere. Bei Exoten versuche ich das gleiche, aber da sind einem eben oft genug mangels unverwandter Tiere die Hände gebunden und gleichzeitg muss ich feststellen, dass meine sozusagen dadurch "Inzuchtbehafteten" Tiere keinerlei Probleme aufweisen, sie sind fit, vital und ziehen gut nach. Aus diesem Blickwinkel konnte ich die "Inzuchtpanik" noch nie nachvollziehen. Ich bin der Meinung dass der Begriff "Inzucht" zu oft als "Totschlagsargument" verwendet wird um tiefergehende Diskussionen zu verhindern oder auch als Sündenbock für Fehler anderen Ursprungs.
Es ist verständlich, dass viele Leute in Foren versuchen die unbedachte Zucht zu verhindern indem sie spezielle Fragen stellen und nachforschen ob ausreichende Fachkenntnisse bestehen - aber es ist der falsche Weg dies mit Phrasen zu begründen und durch die eigenen Worte zu beweisen, dass man selbst auch keine besseren Kenntnisse, nur vielleicht bessere Einstellungen hat (im Sinne der Tiere). Natürlich haben viele Notfallvermittler den Wunsch spätere Notfalltiere oder Tiere bei denen eine hohe Gefahr besteht solche zu werden zu verhindern, indem sie gegen die Vermehrung wettern. Leider kochen dabei oft die Emotionen hoch und häufig wird auch nur mit Schlagwörtern um sich geworfen. Das bringt aber wenig. Sachliche und informative Diskussionen sind immer die besten. Aufklärung hilft viel mehr als aufgebrachte Worte - doch leider können oft gerade die, die aufklären wollen, dies nicht tiefgreifend genug, weil ihnen die Sachkenntis fehlt. Darum ist die Auseinandersetzung oft auch sehr emotional. Leider.
Natürlich bedeutet die Aufklärung zum Thema Inzucht keinen Freibrief für unüberlegtes Vermehren, zur verantwortungsvollen Zucht gehört sehr viel mehr, als erstes das Wissen "wohin mit dem Nachwuchs".
Ich würde sagen zu einer guten Zucht gehört viel Recherchewillen und fundierte Sachkenntis, also in etwa vergleichbar der Exotenhaltung - bei beidem muss ich persönlich feststellen, dass oft der Wunsch "haben wollen" -ob Nachwuchs oder Exoten- im Vordergrund steht und der Wunsch nach Wissen eher klein ausfällt. Bei Exoten führt dies eher zu frühzeitigem Ableben der Tiere, bei der Zucht ohne Nachzudenken zu Mengen von Tieren die schlimmstenfalls abgeschoben oder ausgesetzt werden (wer sich der Verantwortung für die Tiere schon mangels Infosuche nicht bewußt ist oder ihr gerecht werden möchte, der wird es mit dem "Problem" unbequemer zahlreicher Nachwuchs leider ähnlich halten). Die Mengen sind dann das was Tierschutz und private Vermittler ausbaden müssen, weil sie sich um jene Tiere sorgen und kümmern.
Ich glaube das Grundproblem ist da aber keineswegs Zucht, Inzucht oder ähnliches sondern mangelnde Verantwortung. Viele vergessen gern, dass mit der Haltung von Tieren eine Verantwortung für deren Leben übernommen wird, auch wenn dies mal unbequem wird, Geld kostet oder Platzbedarf bedeutet oder einfach nur viel Arbeit macht. Wenn der Halter dieser Verantwortung nicht gerecht wird - und da der Anschaffung von Tiere selten gründliche Inforecherche vorausgeht ist dies oft der Fall - gibt es Probleme für die Tiere. Daran sind aber weder Züchter noch Zooläden oder andere verantwortlich, sondern der einzelne Halter selbst!
Liebe Grüße
Hazel
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Beitragvon jaculus » Do 16. Nov 2006, 16:10

personenkult hat geschrieben:Wird er sein müssen, wenn der "Käufer" aufeinmal verstanden hat, dass das Wort "Blutsfremd" anders zudeuten ist. Glaube darum geht es auch und das hat Jaculus auch irgendwo in den Weiten seines Textes erwähnt


Da waren die Weiten wohl zu weit... genau das hatte ich nämlich nicht gemeint. ;) Ich verstehe auch überhaupt nicht, warum im Zusammenhang mit "Massenzüchtern" immer "Inzucht" erwähnt wird - ich bin davon überzeugt, dass der Inzuchtgrad vieler Tierarten in den ja angeblich so schlechten Großzuchten erheblich geringer ist als in jeder Liebhaberzucht, ganz einfach aufgrund der größeren Menge zur Verfügung stehender Tiere und aufgrund wesentlich geringerer Selektion auf z.B. bestimmte Farben - dort wird doch wirklich alles bunt miteinander verpaart, und was zählt ist die Produktivität und Vitalität, sonst rechnet sich das doch überhaupt nicht. Ganz einfach: wie soll eine Massenzucht funktionieren, wenn wie dargestellt innerhalb der ersten Inzuchtgenerationen damit zu rechnen ist, dass ein nicht unerheblicher Teil der Tiere sich nicht mehr oder nur schlecht vermehrt? Das ist mir jedenfalls völlig unklar.

Hazel hat geschrieben:Ich würde sagen, die Tiere von Massenzüchtern sind genetisch gar nicht so ungesund und von daher habe ich selbst auch aus genetischer Sicht nichts dagegen solche Tiere z.B. bei Farbmäusen in die eigene Zucht einzukreuzen. Wenn bei Massenzüchtern Schäden durch Inzucht auftreten bzw. eigentlich ja die zufällige Inzucht Schäden sichtbar macht, dann werden diese Mäuse aussortiert, da mit ihnen keine profitable Zucht möglich ist.


Genau das sage ich auch - ob man es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Tiere aus vielleicht nicht optimalen Haltungen zu erwerben, muss jeder für sich selbst wissen. Selbstverständlich setze ich jetzt mal allgemeine Gesundheit der Tiere vorraus. Für mich bieten Tiere aus solchen Zuchten genetisch und oftmals auch vom Verhalten her große Vorteile gegenüber den meist so gelobten Tieren aus Liebhaberzucht.

Der Inzuchtgrad ist in großen Zuchten mit Sicherheit zwangsläufig erheblich geringer als in jeder gezielten, hobbymäßigen Farb- oder Rassezucht, das hat überhaupt nichts mit der Tierart zu tun. Je zufälliger die Verpaarung, und je weniger auf bestimmte Merkmale bzw. Homozygotie hin gezüchtet wird, desto besser erstmal für die genetische Variabilität. Von daher finde ich es ganz ernsthaft oftmals sinnvoller, Tiere zum Einkreuzen z.B. aus großen Futtertierzuchten zu holen, als von noch so gut bekannten und befreundeten Hobbyzuchtkollegen -wenn es einem wirklich primär um die genetische Vielfalt und Gesundheit innerhalb seiner Heimtierpopulation und nicht in erster Linie um bestimmte Rasse- oder Farbmerkmale geht, was wieder jeder selbst entscheiden muss.

Das beste wären hierfür mit Sicherheit die (sehr teuren) Tiere aus professionellen Auszuchten bei den großen Labortierzüchtern, die sind gesundheitlich und vor allem genetisch den meisten Hobbyzuchttieren sicherlich weit überlegen - aber Labortiere darf man den meisten Züchtern ja wahrscheinlich auch wieder nicht empfehlen, bzw. ist das Interesse an solchen Tieren bei den Züchtern einfach sogut wie gleich null :?

[Damit es keine Missverständnisse gibt meine Frage: Mit "Großzucht" und "Massenzucht" sind allgemein schon professionelle Züchter gemeint? Also Leute bzw. Firmen, die darauf angewiesen sind, pro Monat z.B. einige tausend bis zehntausend Farbmäuse oder was auch immer an Zoohandlungen und Großhändler zu verkaufen, um davon leben zu können, wie z.B. auch Futtertierproduzenten? Nur auf diese Größenordung beziehe ich mich.]
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Beitragvon Hazel » Do 16. Nov 2006, 18:06

Zumindest ich meine mit Massenzucht/Großzüchtern diejenigen die vom Verkauf der "produzierten" Tiere leben oder auch ein entsprechendes Unternehmen betreiben. Also jene die hohen Wert auf Produktivität legen und die die Menge brauchen und nicht ein oder mehr ganz bestimmte Tiere.
Liebe Grüße
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Beitragvon laren » Do 16. Nov 2006, 20:07

Hazel, ich finde Du hast das super dargestellt, wie es so oft in Foren zum Streit oder Mobbing gegen Neulinge kommt. :)
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Beitragvon Chris » Sa 18. Nov 2006, 00:17

Habe gerade den Text von Stefan Schumacher gelesen. Wirklich gut!
Meine Meinung dazu ist, daß ein möglichst breiter Genpool in der Natur die Möglichkeit des Überlebens einer Art, durch immer neue Kombinationen (dazu gehören für mich auch Genetische "Fehler") und deren "Praxistest", die natürliche Selektion, sichert. Diese Art besteht im großen und ganzen somit immer aus den am besten angepaßten und gesündesten Individuen.
Generell ist es doch so, daß jede Entnahme zwangsläufig kleiner Stückzahlen aus der Natur, von denen schließlich und endlich alle in Menschenobhut gehaltenen Tiere abstammen, nur eine gewisse Bandbreite an genetischen Variationen zulassen wird. Das halte ich auch nicht für nachteilig solange der Mensch, wie von Herrn Schumacher beschrieben, bewußt die Aufgabe der Selektion übernimmt.
Denn schließlich ist zu berücksichtigen, daß natürliche Populationen in einem räumlich begrenzten Biotop auch nur auf einen begrenzten Genpool zurückgreifen können, was meines wissens selten schädlich ist.
Und in der Selektion durch den Menschen liegt, auch meiner Meinung nach, die Ursache allen Übels.
Das betrifft aber sicher nicht nur den Hobbyzüchter sondern auch Massenzuchten. Darunter verstehe ich Großzüchter (unter groß fällt für mich ein Bestand an Zuchtieren der über mehrere Hundert oder Tausend liegt) , welche der momentanen Marktsituation angepaßte Nachzuchtraten oder Merkmale erzielen wollen oder, aus wirtschaftlichen Gründen, müssen. Und aus eben diesen Zuchten stammen doch die meisten, im Handel erhältlichen, Tiere
Bei den Hobbyzüchtern liegt, meiner Meinung nach, das Problem darin, daß, häufig aus unbewußter Inkompetenz, mit allem gezüchtet wird was man halt zur Verfügung hat. Egal ob genetische Defekte offensichtlich am Zuchttier vorhanden oder aus vorangegangenen Generationen sicher bekannt sind, werden diese vermehrt und der augenscheinlich "gesunde" Nachwuchs in Umlauf gebracht. Sind die ursprünglichen Quellen solcher Tiere identisch und "rotieren" die folgenden Generationen in einer begrenzten Region, wie z.B. Deutschland, ist das gehäufte Auftreten von Tieren mit Gendefekten somit keine besondere Überraschung. Und auch, daß diese Probleme gehäuft bei Hobbyzuchten oder Haltungen auftreten ist somit kein Zufall. Durch konsequente Zuchtauswahl und ständigen Vergleich der eigenen Nachzuchten mit erwiesenermaßen genetisch gesunden Tieren als Referenz könnte dieser Vorgang unterdrückt werden.
Ob das Einkreuzen von Wildtieren zur "Blutauffrischung" unbedingt den gewünschten Effekt hat, wage ich zu bezweifeln. Da der genetische Hintergrund dieser Tiere wohl am wenigsten bekannt sein dürfte.
Sicherlich würde aber eine solche Maßnahme, soweit sie denn für den Hobbyzüchter realisierbar ist, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Gendefekten vermindern.
Für mich ergibt sich folgendes Fazit: Das Problem des vermehrten Auftretens von Gendefekten ist "hausgemacht". Die "Verursacher" und Betroffenen suchen die Lösung des Problems in der sogenannten "Blutauffrischung". Was meist als erreicht angesehen wird, wenn man ein vermeintlich fremdes Tier in seine Zucht integriert. Der Neuling oder Laie schnappt dieses auf und erklärt dieses Vorgehen zwangsläufig zum Grundsatz. Deshalb auch in letzter Zeit die häufige Forderung und Nachfrage nach "BlutsfremdenTieren", "um Gotteswillen keine Geschwister" usw.
Und das eigentliche Problem, das von Herrn Schumacher so treffend beschrieben wurde, die Auswahl der zur Zucht geeigneten Tiere tritt in den Hintergrund.

Gruß Chris






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Beitragvon sam » Mo 20. Nov 2006, 10:56

Hallo miteinander
Stefan´s Text finde ich sehr lehrreich und interessant. Vieles davon wußte ich nicht, bzw die Schlußfolgerungen waren mir nicht klar.

Auch ich habe bei meinen Knirpsen auf nicht-Geschwister geachtet, als ich wußte das ich Nachwuchs möchte.
Der Grund war ebenfalls mein "Fehlwissen", denn auch ich dachte, daß Gendefekte durch Inzucht entstehen.
Deshalb denke ich auch, die Kritik an "Inzucht" stammt sicher größtenteils von Leuten, die wenigstens nachgedacht haben und aus konstruktiver Motivation heraus (wenn auch mit falschen Informationen) handeln.

Das ist mir viel lieber als Leute, die ohne nachzudenken handeln.

Und Erstere werden sicher auch an dieser Richtigstellung sehr interessiert sein.


Was mir jetzt aber als Frage im Kopf rumgeht..?
Wenn ich als reiner Liebhaber einmal Nachwuchs erlauben möchte, ist es dann somit völlig egal welche Elterntiere ich verwende, oder sollte ich wenn möglich doch Tiere nehmen die unverwandt sind (falls vorhanden). Bei einigen Tierarten ist das ja quasi unmöglich wie ich oben gelesen habe, aber bei einer Tierart die nicht einen ganz kleinen Pool als Basis hat..
(Das ist eine rein hypothetische Frage)

Gruß Sam
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Beitragvon Tante Erna » Mo 20. Nov 2006, 20:47

Hallo

Wenn ich als reiner Liebhaber einmal Nachwuchs erlauben möchte, ist es dann somit völlig egal welche Elterntiere ich verwende, oder sollte ich wenn möglich doch Tiere nehmen die unverwandt sind (falls vorhanden).


Völlig egal ist es wohl eher nicht. Meiner Meinung nach sollte in erster Linie, auf die spezifischen Eigenschaften der Zuchtiere geschaut werden. Gute Eigenschaften der Art entsprechend: d.h. artgerechtes Verhalten(Sozialverhalten,Brutpflege etc.), Gesundheit, Fertilität. Ihr Aussehen, Gewicht, Grösse, etc. sollte auch einen Arttypischen Standart entsprechen. Um diese Ziele zu erreichen, ist es manchmal unumgänglich verwandte Tiere miteinander zu verpaaren.
Man sollte allerdings bedenken, dass sich durch eine sehr eng verwandte Zuchtlinie, negative Eigenschaften in dieser Linie weiter manifestiert werden.

LG Jörg
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Beitragvon IngridR » Mo 20. Nov 2006, 22:32

Hallo Sam,

völlig egal wäre es nur, wenn du Tiere aus inzuchtstabilen Stämmen nehmen würdest, bei denen Gendefekte durch Inucht über viele Generationen bereits ausselektiert wären.
Bei einer "normalen" Geschwisterverpaarung ist die Wahrscheinlichkeit, dass rezessive Gendefekte sichtbar werden (nicht neu entstehen) und sich somit auch bei den Nachkommen in Krankheiten und Missbildungen äußern können, größer als bei Paarung von nur weitläufig oder gar nicht verwandten Tieren.

L.G., Ingrid
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Beitragvon Schneehuhn » Di 21. Nov 2006, 00:17

Chris hat geschrieben:Denn schließlich ist zu berücksichtigen, daß natürliche Populationen in einem räumlich begrenzten Biotop auch nur auf einen begrenzten Genpool zurückgreifen können, was meines wissens selten schädlich ist.


Leider ist das nicht so. Dies ist der Grund warum viele Tierarten so stark gefährdet sind: durch Zerschneidung oder Zerstörung ihres Lebensraumes oder durch starke Bejagung und die daraus resultierende verminderte genetische Bandbreite, dadurch dass nur wenige Tiere übrig geblieben sind, führen zum sog. Flaschenhals- oder Gründereffekt. (Also quasi die selbe Ausgangssituation der Kleinsäuger in Menschenhand). Diese Arten sind wie du auch schon schriebst, durch die geringe genetische Variabilität schlechter an sich verändernde Umweltbedinungen angepasst. Einen weiteren Aspekt darf man aber nicht vernachlässigen, nämlich dass die verminderte Diversität des Genoms auch immunologische Folgen hat. Es kann dazu führen, dass das Immunsystem weniger gut auf unterschiedliche Erreger reagieren kann. Wie stark diese Konsequenzen bei den verschiedenen Tierarten sind, weiß man nicht genau, aber wahrscheinlich können einige Tierarten besser damit zurecht kommen als andere. (Wie wahrscheinlich die Hausmaus-Inzuchtstämme).

Da man nicht alles durch Selektion gerade gebogen kriegt und dieser immunologische Aspekt möglicherweise dazu gehört, sollte man wenn es möglich ist in den Anfangstagen einer Tierart in Menschobhut die Vernetzung und Informationsweitergabe der Züchter untereinander so organisieren, dass eine geplante Zucht möglich ist um eine möglichst hohe genetische Bandbreite zu erhalten. Das wurde bis aber wohl bei jeder Art in Privathand versäumt und ist im Nachhinein auch nicht mehr machbar!

@ sam, ich wollte dir auch noch eine Antwort schreiben, aber das verschiebe ich auf morgen ;)
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Beitragvon IngridR » Di 21. Nov 2006, 00:27

Hallo Sara,

meinst du geplante Zucht im Sinne von Auszucht? Dann wären doch Stammbäume, wie man sie bei den Mongolischen Rennmäusen führt, gar nicht so verkehrt, oder?

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Beitragvon Schneehuhn » Di 21. Nov 2006, 00:45

Ja na klar, aber Stammbäume um Auszuchtlinien aufzubauen sind ja fast nur möglich, wenn sie auf Ebene des Importeurs ansetzen, also aber dem ersten zusammengstellten Zuchtpärchen.

Ich weiß nicht wie sinnvoll es ist bei einer Tierart Stammbäume zu erstellen, wenn sie schon 70 Jahre entfernt von ihren Stammeltern ist. Wie ich bereits in einem Beitrag schrieb: Wenn auf die Farbzuchtmongolen das zutrifft, was für die Labor-Rennmäuse aus ganz unterschiedlichen Quellen (versch. Zuchten in Deutschland und auch aus Amerika) nachgewiesen wurde, nämlich, dass ihre genetische Diversität sehr gering ist und unter der bestimmter Inzuchtstämme (Farbmäuse u. Ratten) liegt, frage ich mich wirklich wie sinnvoll die Stammbaumführung ist.

Andererseits, gibt es ja anscheinend immer wieder mal Gendefekte, die man mit Hilfe dieser Stammbäume in einer Linie nachweisen kann und dann hoffentlich diese Tiere aus der Zucht nimmt. Dafür sind diese Stammbäume widerrum wohl recht sinnvoll. Aber aufgrund von naher Verwandschaft würde ich die Zucht zweier gesunder Tiere (mit dem Hintergrund, dass sich alle Tiere genetisch so stark ähneln) nicht ausschließen.
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Beitragvon IngridR » Di 21. Nov 2006, 01:16

Bei der Frage nach dem Sinn von Stammbäumen hatte ich an die Akazienratten gedacht.
Ich könnte mir vorstellen, dass jaculus in der Lage wäre, für seine Tiere einen Stammbaum zu erstellen; und da er getrennte Linien führt, wäre diese Angabe für Abnehmer, gerade, wenn sie wie ich ein Pärchen bekommen, sicher interessant.
Wenn die genetische Vielfalt erhalten werden soll, müsste doch auf dieser Ebene der erste Schritt getan werden. Oder sind nur so wenige Tiere importiert worden, dass schon nach wenigen Generationen die Verwandtschaft aller zwangsläufig gegeben ist?
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Beitragvon lem » Di 21. Nov 2006, 05:19

Hallo miteinander,

Ich hab mich noch gar nicht mit Exoten-Zucht beschäftigt und habe daher in der Richtung auch keine 'Fachkenntnisse', allerdings kenne ich mich mit Genetik im Allgemeinen schon etwas aus, d.h. theoretischen Wissen vorhanden – wünsche mir aber Bezug zur Praxis!

Als erstes hätte ich einen Vorschlag: Es wurde ja schon von mehreren Leuten angemerkt, dass der Artikel bei Leuten mit sehr wenig 'Hintergrundwissen' auch falsch verstanden werden kann. Ich denke auch so, v.a. wenn man mal in anderen Foren liest. Wie wäre es noch einen kürzeren Artikel zu schreiben in der die Grundproblematik von Inzucht im Allgemeinen möglichst verständlich noch einmal erklärt werden. Also damit auch Leute mit weniger Wissen einen einfachen Einstieg in das Thema finden und sich dann hoffentlich auch die Zeit nehmen den längeren Artikel zu lesen und v.a. auch zu verstehen.
Ich habe nämlich den Eindruck, dass Grundlegende Sachen oft überhaupt nicht verstanden sind, wie z.B. dass es 2 Allele eines Gens (im Tier) gibt und die Wahrscheinlichkeit dass 2 verwandte Tiere das gleiche Allel haben viel größer ist als nicht verwandte  ….  höhere Wahrscheinlichkeit dass ein Gendefekt im Phänotyp sichtbar wird.
Nur damit mich keiner falsch versteht, den Artikel von Stefan find ich gut und ich bin auch der Meinung, dass wenn man sich für Zucht interessiert sich die Zeit nehmen sollte um ihn gründlich zu lesen, aber ein kürzerer Artikel mit den Grundlagen würde vielleicht den Einstieg erleichtern, da es ja scheinbar immer noch viele gibt, die ohne sich Gedanken zu machen 2 Tiere zusammensetzten.

Jetzt hätte ich doch noch ein paar Fragen zur Exoten Zucht:
Was aus dem Artikel nicht ganz klar rüber kommt ist folgendes: Man hat doch im Prinzip 2 Möglichkeiten: zum einen möglichst fern-verwandte Tiere zu kreuzen oder einen Inzuchtstammbaum aufzubauen.
Was doch keinerlei Sinn macht, ist in einer Generation Geschwister zu verpaaren und dann in der nächsten Generation wieder weniger verwandte Tier einzukreuzen, da dadurch die Vorteile eines Inzuchtstammes (=Homozygote Tiere, konstanter Genotyp über Generationen erhaltbar) doch wieder zunichte gemacht werden. Oder habe ich da etwas falsch verstanden???

Wenn man nun so weit wie möglich fern-verwandte Tiere miteinander verpaart, dann wird bei einem Großteil der Nachkommen (über mehrere Generationen) ein evt. vorhandener genetischer Defekt (eines Elterntieres) phänotypisch nicht zu sehen sein oder das Allel wurde nicht vererbt. Wenn man sich nun die Mühe macht und (z.B. über das Internet) Stammbäume anlegt, können doch auch so über Stammbaumanalysen die Träger des rezessiven Defektallels bestimmt werden und aus der Zucht genommen werden. Oder funktioniert so etwas in der Praxis nicht?

In der Natur entstehen nach einem Flaschenhalsereignis durch Anhäufung von Mutation im Laufe der Zeit wieder neue Allele. Allerdings habe ich keine Ahnung in welchem Zeitrahmen das ganze abläuft. Wie ist dieser Effekt in der Zucht. Kommt er nicht auch irgendwann zu tragen, wenn man davon ausgeht, dass unsere Exoten als ‚Haustiere’ erhalten bleiben und über 100te Jahre weitergezüchtet werden?

Welche Meinungen habt ihr: Lohnt sich nun der Aufwand nachzuforschen und möglichst fern verwandte Tiere zu verpaaren oder ist (bei den Exoten mit eh nur einer handvoll Ursprungstieren) es genau so gut Geschwister zu verpaaren (ohne einen wirklichen Inzuchtsstamm aufzubauen)???
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