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STECKBRIEF

Wissenschaftlicher Name:
Phodopus cambelli
Deutscher Name:
Campbell-Zwerghamster
Englischer Name:
Djungarian hamster
Ordnung:
Rodentia (Nagetiere)
Familie:
Muridae (Mäuse)
Unterfamilie:
Cricetinae (Hamster)
Vorkommen:
Mongolei, Süd-Zentralsibirien, Mandschurei
Größe:
7-10,5 cm + 0,6-1,8 cm Schwanz
Gewicht:
20-40 g
Durchschnittsalter:
2-3 Jahre
Geschlechtsreife:
Mit 1-2 Monaten
Tragzeit:
18-19 Tage
Durchschnittliche Wurfgröße:
4-6 Junge
Sozialverhalten:
Monogame Paare, Gruppenhaltung meist möglich
Aktivitätsphasen:
Nachtaktiv
Besonderheiten:

Viele Farbformen

Anspruch:
Einfach

ALLGEMEINES

Informationen zur Haltung des Campbell-Zwerghamsters findest du hier.

Die Gattung Phodopus (Kurzschwänzige Zwerghamster) umfasst den Campbell- (P. campbelli), den Dsungarischen (P. sungorus) und den Roborowski-Zwerghamster (P. roborovskii), die alle zu den als Heimtiere beliebtesten Nagern gehören. Sie sind Bewohner zentralasiatischer Kaltsteppen und Wüsten, die als Anpassung an die Umgebungstemperaturen dicht behaarte Fußsohlen, ein allgemein sehr dichtes Fell, einen sehr kurzen Schwanz und kurze Extremitäten sowie im Fell verborgene Ohren aufweisen, was sie sofort von den mausähnlicheren Langschwänzigen Zwerghamstern (Cricetulus) unterscheidet. Auch wenn einige Autoren den Artstatus des Campbellzwerghamsters anzweifeln und ihn dem Dsungarischen Zwerghamster zuordnen, wird zurzeit doch allgemein von drei Arten Kurzschwänziger Zwerghamster ausgegangen.

Phodopus-Arten in der Natur

Ihre Anpassung an extrem kalte und trockene Lebensräume führt zu einer gewissen Empfindlichkeit gegenüber höheren Umgebungstemperaturen, was bei der Haltung beachtet werden sollte. Campbell-Zwerghamster sind im Januar Durchschnittstemperaturen teils deutlich unter -30°C ausgesetzt, im Mittel steigt die Temperatur nie über 15°C! Wesentliche Regenfälle gibt es nur im Juli und August. Dieser extremen Kälte und Wasserknappheit haben sie sich durch eine obligat monogame Lebensweise angepasst, d. h. sie Leben in Dauerpartnerschaft und das Männchen verbleibt immer beim Weibchen und dem Nachwuchs im Nest, was Auskühlung und Wasserverlust vermindert. Die Anwesenheit des Vaters bei der Jungenaufzucht verbessert Überlebensrate und Wachstumsgeschwindigkeit der Jungtiere signifikant gegenüber alleiniger Aufzucht durch das Weibchen. Die ungünstigen Lebensbedingungen im natürlichen Habitat, die durch die geringe Körpergröße der Zwerghamster noch mehr ins Gewicht fallen (je geringer das Körpervolumen, desto größer ist im Verhältnis dazu die Körperoberfläche und damit der Wärme- und Wasserverlust) haben dazu geführt, dass die Phodopus-Arten den schnellsten Fortpflanzungszyklus aller Säugetiere haben. Mit einer Tragzeit von 18 Tagen, Entwöhnung etwa ab Tag 17 und meist sofortiger Befruchtung direkt nach der Geburt wurden in Gefangenschaft schon 18 Würfe eines einzigen Weibchens beobachtet.

Das Habitat des Dsungarischen Zwerghamsters ist nicht so extrem wie das des Campbell-Zwerghamsters. Dsungarische Zwerghamster vermehren sich hauptsächlich während einer fünfmonatigen Fortpflanzungsperiode von Mai bis September, wenn die meisten Regenfälle auftreten und damit das Nahrungsangebot am größten ist. Bei Campbell-Zwerghamstern ist diese für die Fortpflanzung günstige Periode noch wesentlich kürzer, so dass bei saisonaler Fortpflanzung der Artbestand gefährdet wäre und sie sich das ganze Jahr über fortpflanzen. Die weniger hohen Wärme- und Wasserverluste, die Dsungarische Zwerghamster während der Jungenaufzucht gegenüber Campbell-Zwerghamstern zu ertragen haben, führen bei ihnen zu weniger starken Paarbindungen, das Männchen verlässt das Nest und überlässt die Jungenaufzucht alleine dem Weibchen, nachdem es jedoch teilweise dem Weibchen beim Geburtsvorgang hilft.

Das Sozialverhalten

Zum Sozialverhalten von Phodopus in Gefangenschaft gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Während die Pflege aller drei Arten in gleichgeschlechtlichen oder gemischten Gruppen sowie Paaren meist problemlos verläuft, gibt es v. a. bei Roborowski- und Dsungarischen Zwerghamstern jedoch immer wieder auch Konstellationen, in denen es zu heftigen Beißereien kommen kann. Ob dies an aggressiven Tieren liegt, die im Laufe der langjährigen Zucht und Farbselektion zunehmend auftreten oder einfach an den Haltungsbedingungen bzw. ungeeigneter Gruppenzusammensetzung, ist kaum pauschal zu beantworten. Zumindest von P. roborowskii wurden in letzter Zeit auch Importtiere bzw. deren direkte Nachkommen von verschiedenen Haltern gepflegt, die übereinstimmend von sehr guter Gruppenverträglichkeit berichteten. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die immer wieder beobachteten Probleme mit Aggressionen bei Phodopus-Arten (auch) genetische Ursachen haben und manche heutige Zuchtlinien inzwischen einfach unnatürlich aggressiv sind.

Für Dsungarische Zwerghamster ist beschrieben, dass es nach der Trennung bislang dauerhaft verpaarter Tiere zur Gewichtszunahme sowie zu Verminderung sozialer Interaktion und explorativen Verhaltens kam. Die Gabe des trizyklischen Antidepressivums Imipramin beseitigte einige der Verhaltensänderungen, die durch die Trennung verursacht wurden, wenn auch nicht alle.

Weitere Hinweise auf eine zumindest zeitweise soziale Lebensweise bei Dsungarischen Zwerghamstern gibt ein Experiment zur Wundheilung. Eine negative Auswirkung von psychischem Stress auf die Wundheilung bei Menschen und verschiedenen Nagerarten ist schon länger beschrieben. Wären Dsungarische Zwerghamster strikte Einzelgänger und lebten sie bei Gemeinschaftshaltung unter Dauerstress, wie dies von Hobbyhaltern sehr oft postuliert wird, müsste dies bei ihnen eine Verschlechterung der Wundheilung bewirken. Genau das Gegenteil ist der Fall, bei ihnen wie bei anderen sozialen Nagetieren bewirkt soziale Interaktion die Ausschüttung von Oxytocin, einem Hormon, das stressinduzierter Cortisolausschüttung entgegenwirkt. Bei Dsungarischen Zwerghamstern wie bei anderen sozialen Nagern resultieren aus Wunden in Verbindung mit Einzelhaltung erhöhte Spiegel von Cortisol (Hydrocortison), das z. B. auch bei Depressionen des Menschen erhöht ist.

Dies spricht dafür, dass nicht nur Campbell-, sondern auch Dsungarische und Roborowski-Zwerghamster nicht von Natur aus solitär leben, sondern zumindest den Sozialkontakt zu anderen Artgenossen brauchen. Dementsprechend sollte Einzelhaltung bei Phodopus-Arten immer nur eine Lösung sein, wenn einzelne Tiere sich überhaupt nicht mit anderen vergesellschaften lassen und es zu anhaltenden Streitigkeiten kommt. Da sie in der Natur üblicherweise zumindest als Paare auftreten, könnten einige Probleme evtl. daran liegen, dass viele Halter die Pflege in gleichgeschlechtlichen Gruppen versuchen. Allgemein scheinen bei Hamstern (also auch Mesocricetus und Cricetulus) nach Erfahrung vieler Halter die Weibchen oft aggressiver untereinander oder den Männchen gegenüber, als dies Männchen untereinander sind, so dass in Gefangenschaft in vielen Fällen möglicherweise besser auf die gemeinsame Haltung mehrerer Weibchen verzichtet werden und stattdessen eine dauerhafte Paarhaltung von Männchen mit Weibchen oder die Haltung gemischter Gruppen bevorzugt werden sollte. Sollte tatsächlich die gleichgeschlechtliche Gruppe die „gefährlichste“ Form der Gemeinschaftshaltung sein, sollte vielleicht lieber auf die Haltung dieser Hamsterarten verzichten, wer keinen Nachwuchs haben möchte. Dass es in Gefangenschaft auch immer wieder zu Problemen durch Aggressionen kommt, lässt noch nicht darauf schließen, dass eine Art auch wirklich von Natur aus solitär lebt, wie dies leider teils vehement in entsprechenden Foren verteidigt wird, ohne dafür wirkliche Beweise zu liefern, vielmehr könnten die Ursachen auch in falscher Auswahl der Zuchttiere und auch der Haltung an sich zu finden sein. Dementsprechend sollte auf konsequenten Ausschluss aggressiver Tiere bei der Zucht geachtet werden und statt Farbzuchten zu forcieren eher versucht werden, gelegentlich so weit verfügbar importierte Wildtiere einzukreuzen. Zumindest scheint es bei Kurzschwänzigen Zwerghamstern eine ähnliche Entwicklung zu geben wie bei Mongolischen Rennmäusen (Meriones unguiculatus). Alle Halter von Wildfängen von Mongolischen Rennmäusen oder deren direkten Nachkommen berichten bisher von absoluter Verträglichkeit auch in großen Gruppen und in unterschiedlichsten Käfiggrößen, und Vergesellschaftungen verlaufen auch völlig unproblematisch, ganz im Gegensatz zu den domestizierten bzw. hier speziell aus Farbzuchten stammenden Rennmäusen, bei denen es sehr regelmäßig zu Streitereien innerhalb oder dem völligen Auseinanderbrechen von Gruppen kommt. Bei wildfarbenen, domestizierten Rennmäusen scheint es zumindest weniger häufig solche Probleme zu geben als bei Farbformen. Trotz mancher Probleme wird jedenfalls auch bei den domestizierten Rennmäusen immer versucht, irgendwelche Konstellationen zu finden, um Einzelhaltung zu vermeiden, auch wenn das unter Umständen einige Versuche mit verschiedenen Partnern erfordert. Warum dies bei Kurzschwänzigen Zwerghamstern nicht ebenso durchgeführt wird bzw. nicht akzeptiert wird, dass es durchaus möglich ist, dass ein Nager prinzipiell eine soziale Lebensweise hat, aber trotzdem nicht jeden Partner akzeptiert, erscheint nicht logisch, nach der Vielzahl an von offensichtlich geselligen Nagetierarten wie Meerschweinchen, Mongolischen Rennmäusen, Grasmäusen usw., bei denen es durchaus auch bei vielen Haltern Probleme gibt, denen dennoch niemand eine von Natur aus solitäre Lebensweise unterstellen würde.


Text von Stefan Schumacher
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